Schweiz: Bankrott-Kandidat?

Ist die Schweiz ein sicheres Gebiet für Vermögen?

Oder eher ein Bankrott-Kandidat?

von Andreas Popp


Schon der Begriff „Schweiz“ weckt ein Gefühl der Sicherheit, was vermutlich auf die lange verhältnismäßig friedliche Geschichte der Eidgenossenschaft zurückführen ist. Diese Zeiten könnten jedoch bald vorbei sein, denn die kleine Alpenrepublik steht offenbar ebenfalls mit dem Rücken an der Wand. Warum ich das so einschätze, soll das Thema dieser Ausgabe sein.

In letzter Zeit bekommen wir sehr viele Nachfragen von unseren Freunden aus Österreich, welche nicht selten Ihre Immobilien mit Fremdwährungshypotheken finanzierten, die auf Schweizer Franken lauten. Der Wechselkurs CHF zum Euro bedroht nun die Darlehnskunden in der Eurozone, deren Schulden durch den helvetischen Höhenflug immer weiter ansteigen.

Wir werden ebenfalls des Öfteren gefragt, ob die Schweiz als Anlageland wirklich so sicher sei, wie man es höre, um das Vermögen bei den dortigen Banken (z.B. auf Konten oder in Schließfächern) zu sichern.

Ich möchte versuchen, meine Einschätzung zur Schweiz allgemeinverständlich zu beschreiben, um nicht nur den betroffenen Nachfragern gedankliche Impulse zu vermitteln. Die Interessenlagen sind logischerweise oft gegensätzlich, denn ein weiterhin steigender CHF bedeutet für ausländische Darlehnsnehmer ein Risikopotential, während Kapitalanleger hier genau ihre Chancen sehen. Verzichten möchte ich bei meiner Betrachtung auf die „Derivate-Orgien“ der Schweizer Banken, die alle Zusammenhänge der kommenden Aussagen nur massiv verstärken würden. Uns geht es vor allem darum, Menschen zu kritischen Fragen anzuregen und weniger, die sogenannten Experten zu stimulieren, die sich oft zu sehr in einzelne Details verzetteln und selten die Vogelperspektive einnehmen.

Aus welchem Grunde befindet sich der CHF überhaupt auf diesem Höhenflug?

Da spielen wohl vor allem viele irrationale Gründe eine Rolle. „Die Schweiz ist das klassische und vor allem sichere Kapitaleldorado für intelligente Kunden“, lautet nicht selten die eher dogmatisch geprägte Aussage. Gerade die aktuelle Eurokrise und die permanente Dollardiskussion vermitteln dem interessierten Zuhörer oft ein gewisses „Semiwissen“, welches dann Fluchtinstinkte auslöst. Kurz: Man will nicht unbedingt in die Schweiz, sondern vor allem erst einmal „weg“.

In der Tat steht die kleine Alpenrepublik beim oberflächlichen Studieren der Volkswirtschaft recht passabel da, wenn man allein die ca. 40%ige Nettostaatsverschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt im Jahre 2009 betrachtet.

Erinnern wir uns an die Maastrichter Verträge. Als „Eintrittskarte“ für die „Euro-Teilnahme“ gilt eine maximale Verschuldungsgrenze von 60 %. Vergleichen wir nun die brillanten Schweizer Ziffern mit denen der heutigen EU-Staaten, erscheint uns die Schweiz als Paradies. Die Folge ist logischerweise ein tiefes Urvertrauen in diesen Finanzplatz.

Allein aus diesem Grunde ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich der Aufwertungstrend zumindest mittelfristig weiter fortsetzen wird, was aber für die in Franken verschuldeten Hypothekenkunden das Risiko einer dramatische Sackgasse in sich birgt.

Wenn dann die Kunden noch eine wie auch immer geartete Lebensversicherung als Tilgungsträger empfohlen bekamen, kann es schnell sehr eng werden. Selbst die systemtreuen Funktionäre der Finanzmärkte gestehen langsam das extreme Risiko ein, dass diese Modelle eher nicht aufgehen. Und dabei ist die dramatische Finanzkrise bei den Lebensversicherungen noch nicht einmal öffentlich „zugegeben“ worden. Erst kürzlich haben wir unter: http://wissensmanufaktur.net/kapitalvernichtende-lebensversicherung auf diese Gefahren hingewiesen. Die Ironie dieser Problematik wird deutlich, wenn z.B. ein österreichischer Bankkundenberater eine Zwangsversteigerung ausgerechnet mit dem Argument einleiten muss, dass die Finanzierung, die er selbst empfahl, schlecht läuft…

Nach der Darstellung der positiven Daten der Schweizer Volkswirtschaft möchte ich auch die „Schattenseiten“ dieser ersten Betrachtung deutlich machen, die ohne weiteres sogar zum Staatsbankrott führen könnten. Nicht wenige Gelder von kritischen und vor allem sachverständigen Anlegern flüchten zurzeit aus der Schweiz nach Fernost oder Südamerika. Um diese Entscheidungen zu verstehen, muss man ein wenig ausholen.

Die Schweiz ist sehr klein, sitzt aber mit am großen Roulettetisch des Casino-Kapitalismus. Und das ist gefährlich!

Die private Schweizer Nationalbank (SNB) druckt permanent neues Geld, wie die ebenfalls private Federal Reserve (FED) der USA, die offenbar als Vorbild fungiert. Schweizer Experten fordern längst, die Eigenkapitalquoten der beiden „Gefahrenherde“ (bzw. Großbanken) UBS und Credit Suisse, mehr als zu verdoppeln. Der Schock des UBS-Fast-Kollapses im Rahmen der letzten Finanzkrise steckt noch in den Knochen und machte das Ausmaß des Risikos einer Staatspleite der Schweiz deutlich. Die Volkswirtschaft der Schweiz ist einfach erheblich zu klein, um im Falle der nächsten Großbankenkrise einen Bankrott zu verhindern, zumal die makroökonomischen Bruttoinlandsdaten erst durch diese beiden Kapitalsammelbecken (UBS und CS) maßgeblich zustande kamen. Die volkswirtschaftlichen Daten eines ganzen Landes hängen also an diesen beiden Bankenkonzernen!

Die genannte 40%ige Verschuldungsquote der Schweiz könnte nämlich binnen weniger Augenblicke die 100% Marke weit durchbrechen, wenn der Anleihenmarkt diverse Abschreibungen erfordern würde, was mittlerweile offen in vielen Expertenzirkeln diskutiert wird. Es gibt bekanntlich zwei Möglichkeiten der Schuldentilgung: Der Schuldner zahlt sie, oder die Banken schreiben sie ab.

Warum ist das gerade für die Schweiz so wichtig, wenn andere Länder grundsätzlich dasselbe Problem haben? Ganz einfach, sie ist mit ihren Großbanken im Verhältnis zur nationalen Wirtschaftsgröße extrem hoch im internationalen Anleihenmarkt investiert.

Wie schnell hier Probleme auftauchen können, müssen wir leiderprobten Deutschen gerade im Fall „Griechenland“ usw. erfahren. Werden die Schuldnerländer zahlungsunfähig, geraten die finanzierenden Banken unter Druck. Und hier liegt ein aus meiner Sicht zentrales Schweizer Problem.

Natürlich kann man die (zu erwartenden) Schuldner-Ausfälle durch „Geld drucken“ kompensieren, aber hier geht es nicht um Engagements in der Weltleitwährung US-Dollar oder den Euro, sondern um die überschaubare Währung eines Acht-Millionen-Volkes. Das einfache Drucken verwässert bekanntlich die Währungen und die Schweiz ist nicht „too big to fail“ (zu groß zum Scheitern). Im Falle einer erneuten Krise (die nicht ganz unwahr-scheinlich ist), wäre der Staat dann nicht mehr in der Lage, diese aufreißenden Löcher zu stopfen, denn dafür sind die beiden Vorzeigebanken einfach zu groß.

Die Schweizer Bürger würden dann außerdem erfahren, welche „kreativen Buchhaltungs-methoden“ auch in ihrem Land existieren. Eine vermeintliche Rettung durch „Geld drucken“ könnte den CHF selbst ruinieren und somit das Vertrauen in den Standort. Für die Experten sei noch angemerkt, dass ich hier bewusst nicht näher auf alle Einzelheiten der kuriosen Bilanzierungsregeln (das echte Eigenkapital der Banken, die Finanzierung osteuropäischer Staaten über den Kapitalmarkt und die gehebelten Derivateschulden) der Schweizer Banken eingehe. Diese Details verdeutlichen die Lage zwar noch zusätzlich, aber wir wollen hier nicht den Blick für das große Ganze verlieren.

Kurz, die Schweiz wäre gar nicht in der Lage, auch nur eine der beiden Großbanken zu retten, falls diese in eine Schieflage gerieten (in der sie sich vermutlich schon befinden, wenn echte Zahlen vorlägen).

Das Risiko eines Staatsbankrotts wird deutlich. Hinter den Kulissen der Banken und ihrer „zugeneigten“ Politiker finden offenbar längst Gespräche statt, die Geldkonzerne zu zersplittern, um die Risiken auf viele kleine Gesellschaften zu verteilen, die man bei Bedarf „abschalten“ kann. Eine Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken ist ebenfalls elementar wichtig.

Nicht von ungefähr versucht man, die Schweizer Bürger außerdem sukzessive darauf einzustimmen, sich auch größeren Währungsgemeinschaften anzuschließen, wie der EU.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal meine Abneigung zu diesem zerstörerischen Gesamtsystem zum Ausdruck bringen, welches nur in einem Kriegs-Terminus beschreibbar ist. Das Wachstumsdogma, welches uns in den Hochschulen eingetrichtert wird, zeigt hier das wahre Gesicht.

Die Credit Suisse und die UBS haben aus meiner Sicht in ihrem Größenwahn der Schweiz schwere Risiken zugefügt, die sich dramatisch konkretisieren könnten, nämlich dann, wenn eine dieser Banken vor einem Kollaps gerettet werden müsste. Dann könnte plötzlich ein Land wie Singapur oder Honkong als Retter auftreten, weil die Schweiz selbst es nicht schaffen kann. Was dieses Szenario für die vermeintliche Autarkie der Alpenrepublik bedeutet, kann sich jeder selbst ausmalen.

Das Schuldenpotential der Banken UBS und CS beträgt kumuliert ein Mehrfaches der gesamten Schweizer Wirtschaftsleistung.

Was ich hier darstelle, wird offenbar auch andernorts so gesehen. Ist die Schweiz bereits erpressbar? Warum gibt sie dem Druck der US-Amerikaner auf die Herausgabe von Kundendaten nach oder „lockert“ mal eben das Bankgeheimnis? Man weiß natürlich, dass bei einem bereits regional eingeleiteten Platzen bestimmter Anleihen-Blasen das Alpenland vor die Wand fahren würde, zumal die Schweizer Gesamtwirtschaft sehr stark vom Bankensystem abhängt. Leider hat man Jahrzehnte lang die Bürger davon überzeugt, anstatt selbstversorgende Landwirtschaftsbetriebe und kleine Handwerksfirmen zu betreiben, lieber auf moderne, schicke Glaspaläste zu setzen…

Mittlerweile sind über 6.000 Unternehmenspleiten pro Jahr auch in der Schweiz der „Normalfall“ geworden.

Die Schweizer Regierung sollte dringend einen „Gesundschrumpfungsprozess“ einleiten und nach dem Zerschlagen der Banken-Ungetüme die Eigenkapitalquoten der relevanten Splitterunternehmen massiv erhöhen.

Das Vertrauen in die Schweiz scheint noch nicht bei vielen Menschen angeschlagen zu sein, da hier ein Trägheitseffekt und Ahnungslosigkeit mitspielt. Ich habe wie gesagt viele Details nicht näher ausgeführt, denn es geht mir nicht um Panikmache, zumal ich das Schweizer Volk und ihre Freiheitsliebe sehr schätze und ich mich dort wirklich gern aufhalte.

Leider erkenne ich aber auch, dass die Bürger (inklusive der meisten Finanzvertreter und Politiker) die ganzen Probleme ihrer Heimat nicht im Ansatz verstanden haben, weshalb ich nur sehr begrenzt optimistisch bin. Das Qualitätsproblem der Politiker unterscheidet sich offenbar nicht von dem in anderen Staaten, aber das hängt eben auch in der Schweiz von der Gesellschaftsform „Demokratie“ ab, selbst wenn die direkte Form effizienter erscheint. Vor der Finanzkrise 2008 hatte ich persönlichen Kontakt zu Schweizer Politikern, bei denen ich versuchte, diese Gefahrenherde deutlich zu artikulieren. Leider erntete ich nur fragende Gesichter und spürte den Abgrund der Planlosigkeit.

Man kann nur hoffen, dass zumindest einige wenige kompetente Manager die Zivilcourage haben und im Rahmen eines gesunden Patriotismus für ihr Land einstehen, indem sie erst einmal den Menschen die Wahrheit sagen. Ich kenne viele Schweizer und schätze ihre Heimatliebe, die sie eigentlich nicht aufgeben wollen. Deshalb würden sie bestimmt einen steinigen Weg mitgehen, der ihnen die Freiheit als Perspektive bietet. Gerade die kleine Schweiz könnte Geschichte schreiben, indem sie auf eine autarke Nation setzt, anstatt auf zerstörerischen Globalisierungswahn. Das könnte ein echtes Vorbild für uns alle sein, denn die Erfolge würden wohl Schule machen. Somit würde man dem Aufbau der Weltordnung die freundliche Maske von der zerstörerischen Fratze ziehen.

Ich fasse zusammen:

Die Schweiz hat aufgrund der minimalen Größe in Verbindung mit den größenwahnsinnigen Bankenapparaten ähnliche Risiken, wie wir sie bereits aus Island kennen, auch wenn jetzt Einige bei dem Vergleich zusammenzucken. Anderseits besteht die Möglichkeit, die Schweiz zu retten, falls nicht gerade jetzt ein Anleihen-Crash eingeleitet wird.

Die in CHF finanzierenden Hypothekenkunden z.B. im „Euroland“ müssen aber damit rechnen, dass der Wechselkurs vorläufig noch weiter ansteigt, was im schlimmsten Fall zur Zwangsversteigerung führen kann. Dabei würden bekanntlich die Pfandgüter (also das Haus) verwertet. Wer auf Oberkannte Unterlippe verschuldet ist, sollte unter bestimmten Umständen eine Umschuldung in Euro durchdenken, oder sogar den Verkauf der Immobilie in Erwägung ziehen, sofern es möglich ist.

Wer noch über Kapital verfügt, sollte sich Gedanken machen, sein Vermögen in z.B. Edelmetalle zu investieren, wobei man da besondere Grundlagen bedenken sollte, wie man so etwas macht. Durch diese Maßnahme könnte man den Höhenflug gut durchstehen, denn niemand weiß, wann der CHF abstürzt, wenn er es überhaupt tut. Der CHF ist aus meiner Sicht genauso wenig sicher, wie alle anderen Währungen. Auch die Investition in Grund und Boden halte ich für sinnvoll, allerdings nur in rechtssicheren Ländern.   

Gern stehen wir für persönliche Fragen und Einschätzungen zur Verfügung. Aufgrund der Mail-Flut ist es nicht möglich, lange Fragen schriftlich zu beantworten, zumal bestimmte Zusammenhänge nur im persönlichen Gespräch möglich sind.


Ihr Andreas Popp, Februar 2011


Als pdf-Datei herunterladen: Schweiz: Bankrott-Kandidat?

 

Kurzes Interview zum Thema:

Datei herunterladen (FLV, 36.87MB)

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