Fließendes Geld – Wolfgang Berger im Interview


Siehe auch:
Aufsatz: Durch fließendes Geld raus aus der Zinsknechtschaft
Fließendes Geld

 

Prof. Dr. Dr. Wolfgang Berger im Gespräch mit Prof. Dr. Michael Vogt über die Auswirkungen von Zinseszins und Wachstumswahn sowie über Alternativen.


 

Auch verfügbar auf unserem Podcast und auf Youtube


Die globalen Finanzmärkte führen auch in den reichen Ländern zu Entwicklungen, gegen die sich die Menschen in den armen Regionen der Welt seit langem wehren:

  1. Eine zunehmende Zahl von Menschen verarmt und verelendet, die globalisierte Wirtschaft läßt täglich 26.000 Menschen verhungern.
  2. Ein weltweiter Standortwettbewerb um Investitionskapital verschafft dem Kapital Subventionen, kostenlose Infrastruktur und steuerliche Entlastung.
  3. Steuern können wirksam nur auf Arbeit und auf den Konsum erhoben werden, was die Arbeitslosigkeit und die Lebenshaltungskosten erhöht.
  4. Soziale Probleme, Subventionen und Steuerflucht führen zu einer Umverteilung von den ärmeren zu den reicheren Bevölkerungsschichten.
  5. Die hohe Staatsverschuldung macht Regierungen handlungsunfähig und in ihren Entscheidungen abhängig von großen Konzernen und Kapitalgebern. Demokratie wird ausgehöhlt. Die finanziellen Sachzwänge sind stärker als des Volkes Wille.
  6. Nur hohes Wirtschaftswachstum kann diese Probleme abmildern. Quantitatives Wachstum aber bedroht das Klima und die Umwelt – unsere Lebensgrundlagen.
  7. Quantitatives Wachstum braucht Rohstoffe – der wahre Grund für die meisten Kriege.

Diese Entwicklungen sind nicht das Ergebnis von Politik, sie ergeben sich zwangsläufig aus dem globalen Geld- und Finanzsystem: Wer sein Erspartes langfristig, geschickt und sicher anlegt, verdoppelt den Betrag durch Zins und Zinseszins etwa alle zehn Jahre. Bei einer größeren Anlagesumme ist die durchschnittliche langfristige Verzinsung 7 %.

Aus € 100.000 werden so:
- nach 10 Jahren € 196.720
- nach 25 Jahren € 542.740
- nach 50 Jahren € 2.945.700
- nach 75 Jahren € 15.987.600
- nach 100 Jahren € 86.771.630

Diese € 86.771.630 setzen sich zusammen aus € 100.000 Ersparnis, € 700.000 Zinsen und € 85.971.630 Zinseszinsen. Die Verzinsung ist notwendig, damit das Kapital als Kredit wieder zur Verfügung steht. Voraussetzung dafür ist, daß es Kreditnehmer gibt, die bereit und in der Lage sind, sich in entsprechender Höhe zu verschulden – die also für die hunderttausend Euro innerhalb von zehn Jahrzehnten ca. 86,7 Millionen Euro Zins und Zinseszins zahlen.

Schneller wachsenden Vermögen der Sparer muß eine schneller wachsende Verschuldung von Kreditnehmern gegenüber stehen. Wenn es keine Privatpersonen und keine Unternehmen gibt, die mehr Kredite aufnehmen wollen und können, bleibt als Rettung für die Kapitalmärkte nur eine stärkere Verschuldung von Staaten. Das erleben wir gerade: Die meisten Staaten können sogar ihre Zinsen nur bezahlen, wenn ihnen dafür neue Kredite gewährt werden.

Das fließende Geld hingegen ist ein einfaches Tauschmittel und steht auf einer Stufe mit anderen Gütern, die veralten, verrosten, verfaulen, verfallen oder Lagerkosten verursachen. Das Bankensystem bleibt im Wesentlichen unverändert, nur die Rahmenbedingungen ändern sich: Da Bargeld und Giralgeld «Lagerkosten» verursachen, werden diejenigen, die Kapital haben, diese Kosten vermeiden wollen und interessiert sein, es über geeignete Anlageformen zinsfrei wieder zur Verfügung zu stellen. Die Folgen für einen Staat, der fließendes Geld einführt, sind vielfältig:

  1. Die Steuern können deutlich reduziert werden: Der Staat kann sich zum Teil aus den «Geldgebühren» finanzieren. Die Erhebung dieser Gebühr ist einfacher und sicherer als Steuern.
  2. Die reduzierten Steuern machen den betreffenden Staat zu einem attraktiven Standort für Investitionen in Sachkapital.
  3. Die Preise sinken im Durchschnitt um 40%: In die Preise sind jetzt weltweit durchschnittlich 40% Zinskosten einkalkuliert. Um 40% reduzierte Kosten steigern die Exporte und die Gewinne der Unternehmen.
  4. Gefallene Preise und gesenkte Steuern verdoppeln die Kaufkraft – den Lebensstandard – jedes Einzelnen oder sie bieten ihm die Möglichkeit, weniger zu arbeiten.
  5. Durch die Zinsfreiheit bieten kurzfristige, ökologisch schädliche Investitionen keine Vorteile mehr. Im Gegenteil: langfristige Investitionen – zum Beispiel in die Umwelt, Infrastruktur, Bildung, Forschung, Gesundheit – werden rentabel.
  6. Die Rentabilität langfristiger Investitionen bewirkt einen Wechsel vom quantitativen zum qualitativen Wachstum, das ökologisch unschädlich ist.
  7. Die vielen langfristig rentablen Investitionsprojekte schaffen Vollbeschäftigung und beenden die – unfreiwillige – Arbeitslosigkeit.

Der schnelle Erfolg des Landes, das zuerst eine «Fairconomy» mit fließendem Geld einführt, wird einen weltweiten «Dominoeffekt» auslösen. Die Pioniere einer neuen Weltordnung aber werden, wie alle erfolgreichen Pioniere, einen Vorsprung haben, den andere kaum noch einholen können.


Ihr Wolfgang Berger, Oktober 2012

 

Prof. Dr. Dr. Wolfgang Berger, Ökonom und Philosoph, hat in Deutschland, Ghana, Frankreich, Indien, Italien, Argentinien, den USA und dem Iran studiert, geforscht, gelehrt und als Industriemanager gearbeitet, am längsten für die Schering AG. Er hat mehrere Bücher und zahlreiche Fachartikel veröffentlicht und 1997 in den USA das Business Reframing Institut gegründet, mit dem er "Flow" in Unternehmen verankert (www.business-reframing.de). Er ist Mitinitiator einer gemeinnützigen Initiative zur Neuordnung unserer Finanzordnung (www.lust-auf-neues-geld.de) und wissenschaftlicher Beirat der Wissensmanufaktur (www.wissensmanufaktur.net).

 

Das fließende Geld ist eine entscheidende Komponente im „Plan B“ der Wissensmanufaktur.

 

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